Konsumieren, partizipieren, kreieren:
Beiträge zur Fanforschung im deutschsprachigen Raum
Interdisziplinäres Sammelbandprojekt von Vera Cuntz-Leng (Hrsg.)

Call for Chapters

Obwohl bereits in den 1920er Jahren Sherlock-Holmes-Gesellschaften gegründet oder in den 1930er Jahren Science-Fiction-Fanmagazine aufgelegt und vertrieben wurden, nahm die Erfolgsgeschichte der so genannten Media Fandoms erst mit dem Erfolg von Fernsehserien wie Star Trek und dem Aufkommen des Blockbusterkinos in den späten 1970er Jahren ihren Anfang. Die Genese von Fandoms stellt einen Paradigmenwechsel bezüglich der Auffassung von und der Auseinandersetzung mit dem Rezipienten dar – vom machtlosen Konsumenten hin zum aktivierten Partizipierenden. Zwar nicht selten als Freaks und Nerds stigmatisiert, fungieren Fans doch als sichtbarste und mächtigste Rezipientengruppe, deren rückwirkender Einfluss auf die Produktion von Medien, Inhalten und Waren gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Aus der Masse der Fans heraus werden immer wieder Medieninhalte kritisch hinterfragt und herausgefordert. Daher können Fandoms die Funktion erfüllen, fundamentale Themen unserer Gesellschaft zu adressieren – durch Fandoms können Fragen nach der Stabilität gegenwärtiger Vorstellungen von Identität, Geschlecht oder Sexualität gestellt werden; Fandoms können eine Plattform bieten, um kulturelle, historische und politische Ereignisse wie etwa ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis bei gleichzeitiger Panik vor Überwachung zu debattieren; Fandom kann auf stereotype Darstellungen von Minderheiten in den Medien hinweisen und diese demontieren. Dabei nehmen Fans aktiv am Prozess der Medienproduktion teil, indem sie kreativ eigene Inhalte wie Fanarts, Fanfiction, Videos, Musik oder Spiele generieren und publizieren. Dem Internet kommt in diesem Kontext eine Schlüsselfunktion zu, denn es verbessert die Möglichkeiten der Partizipation, des Austauschs und vereinfacht den Zugang zu Informationen, eröffnet neuen Publika Zugang und offeriert neue gestalterische Ausdrucksmöglichkeiten in der Erschaffung von Fanproduktionen. Das Internet leistet somit einen essentiellen Beitrag in der generellen Demokratisierung von Medien. Dieser Prozess ist längst nicht abgeschlossen.

Da sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fandom beinah ausschließlich auf den anglo-amerikanischen Raum beschränkt und zeitgleich aufgrund der diffusen Grenzen im Internet eine Ignoranz gegenüber nationalen Spezifika von Fandoms seitens der Fanforschung auszumachen ist, intendiert dieser Band, einen wesentlichen Baustein zu liefern, eben diese eklatanten Mängel zu beheben. Konsumieren, partizipieren, kreieren: Beiträge zur Fanforschung im deutschsprachigen Raum möchte WissenschaftlerInnen zusammenbringen, um über Fandom zu diskutieren und zu reflektieren, wobei nationale Besonderheiten im Fokus der Überlegungen stehen sollen. Da die Fanforschung ein Grenzbereich vieler Forschungsfelder ist, sind für diesen Sammelband Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen wie Medienwissenschaft, Publizistik, Literaturwissenschaft, Filmwissenschaft, Theaterwissenschaft, Game Studies, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Pädagogik, Soziologie, Philosophie und Geschlechterforschung ausdrücklich erwünscht.

Beiträge, die über eine klare Methodik oder Verortung innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses verfügen sollten, können – müssen aber nicht – nachfolgenden Themengebieten entstammen:

Die Artikel sollten eine Länge von 4.000 bis 5.000 Worten (ohne Quellenverzeichnis) nicht überschreiten. Als Format sind für alle Texte die MLA-Style-Guidelines. Aus Gründen der wissenschaftlichen Qualitätssicherung werden alle Einreichungen einem Double-Blind-Review-Verfahren unterzogen.

Einreichungen als Emailanhang im MS Word-Format zusammen mit einer Kurzbiografie bitte bis spätestens 1. Dezember 2013 an fandom(at)medienkreativitaet.de

Der Band erscheint voraussichtlich im dritten Quartal 2014 im Büchner-Verlag.

Call for Chapters als PDF-Download.

Kontakt:
Vera Cuntz-Leng, M.A.
Institut für Filmwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Wallstraße 11
55122 Mainz
Telefon: +1 (510) 508-5884
Email: fandom(at)medienkreativitaet.de